Österreichisches DNA-Zentrallabor

Österreichisches DNA-Zentrallabor, Österreichische Nationale DNA-Datenbank

Das Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck (GMI) ist das „Österreichische DNA-Zentrallabor“ für die Untersuchung von Vergleichsproben (Mundhöhlenabstrichen, MHA) und biologischen Spuren.

Die Österreichische Nationale DNA-Datenbank hat nach Großbritannien und den Niederlanden am 01.10.1997 als dritte in Europa den Betrieb aufgenommen.

Die Zielrichtung der Datenbank ist einerseits, in ungeklärten schweren Kriminalfällen einen (oft entscheidenden) Hinweis auf den Spurenverursacher zu liefern (Zufallstreffer, Cold hit) und andererseits, potentielle Täter abzuschrecken (Prävention).

Das DNA-Zentrallabor erhält keinerlei personenbezogene Daten, sondern ausschließlich anonymisierte Mundhöhlenabstriche (MHA) bzw. Spuren, die mit Barcodes wie auf den Warenverpackungen im Supermarkt unverwechselbar gekennzeichnet sind. Das Bundesministerium für Inneres erhält keinerlei biologisches Material. Damit ist eine vollständige Entkoppelung zwischen DNA-haltigem Material (GMI) und Personaldaten (Innenministerium) gewährleistet.

Die Mundhöhlenabstriche werden von der Exekutive bei bestimmtem Tatverdacht (Mord und andere vorsätzliche Tötung, Körperverletzung, Sexualdelikten, Brandstiftung, Erpressung, Serientaten, Einbruchsdiebstahl) im Rahmen der erkennungsdienstlichen Maßnahmen entnommen und direkt an das Österreichische DNA-Zentrallabor des GMI gesandt.

In gleicher Weise wie die Mundhöhlenabstriche werden biologische Tatortspuren von Kriminalfällen untersucht, in denen keine Person im konkreten Tatverdacht steht. Die Ergebnisse der DNA-Analysen (DNA-Profile) werden vom DNA-Zentrallabor dem Innenministerium übermittelt und dort in der Nationalen DNA-Datenbank mit den gespeicherten Datensätzen verglichen.

Der Schutz der Persönlichkeitsrechte ist absolut gewährleistet. Die DNA-Untersuchungen dienen ausschließlich der Verbrechensaufklärung bzw. deren Verhinderung. Die Personaldaten sind nur dem Innenministerium bekannt. Aus den erhobenen DNA-Daten kann unmöglich auf Krankheiten, Krankheitsdispositionen, Persönlichkeitseigenschaften, Intelligenz, Gewohnheiten, sexuelle Neigungen etc. geschlossen werden.

Personen, die eine Spur nicht gelegt haben, werden mit Sicherheit als Spurenleger ausgeschlossen.

Rechtliche Grundlage

Das Österreichische Sicherheitspolizeigesetz regelt die erkennungsdienstliche Behandlung. Neben der Feststellung der Personalien, der Fotografie und der Anfertigung von Fingerabdrücken können auch Mundhöhlenabstriche (MHA) entnommen werden. Konkret erfolgt dies bei bestimmtem Tatverdacht (Mord und andere vorsätzliche Tötung, Körperverletzung, Sexualdelikten wie z.B. Vergewaltigung oder Schändung, Brandstiftung, Erpressung, Serientaten). Die Speicherung von erkennungsdienstlichen Daten einschließlich der DNA-Merkmale erfolgt beim Bundesministerium für Inneres. Darüber hinaus werden biologische Tatortspuren von Fällen untersucht, in denen kein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Einzelheiten gibt das Bundesministerium für Inneres, Bundeskriminalamt, A-1090 Wien, bekannt.

Zielrichtung der Nationalen DNA Datenbank

Einerseits werden die DNA-Merkmale von Tatverdächtigen und Verurteilten, andererseits die DNA-Merkmale von Tatortspuren von Fällen untersucht, in denen kein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Durch Vergleich dieser DNA-Merkmalmuster gelingt es, in ungeklärten schweren Kriminalfällen einen (oft entscheidenden) Hinweis auf den Spurenverursacher zu liefern (Zufallstreffer, Cold hit). Zugleich geht von dem Projekt eine gewisse abschreckende Wirkung gegenüber potentiellen Tätern aus (Prävention).In Übereinstimmung mit der internationalen Literatur zeigt auch die gerichtsmedizinische Erfahrung, dass Straftäter häufig eine regelrechte „Karriere“ durchlaufen. So sind viele Sexualstraftäter bereits Jahre zuvor z.B. durch Eigentumsdelikte auffällig geworden und begehen auch nach schweren Verbrechen wieder geringere Straftaten. Daraus ergibt sich ein wichtiger Ansatz zur Verbrechensaufklärung mit Hilfe der DNA-Datenbank. Es wurden mit der Österreichischen Nationalen Datenbank bereits eine Vielzahl schwerster Gewaltdelikte (Morde, Vergewaltigungen) durch die DNA Analyse nach erkennungsdienstlichen Behandlungen von Personen geklärt, gegen die zunächst nur z.B. wegen Einbruchs ermittelt wurde. Einzelheiten zur Trefferstatistik gibt ebenfalls das Bundesministerium für Inneres, Bundeskriminalamt, A-1090 Wien, bekannt.

Umfang und Erfolg der Nationalen DNA Datenbank

Einzelheiten zur Statistik gibt das Bundesministerium für Inneres, Bundeskriminalamt, A-1090 Wien, bekannt.

Praktisches Vorgehen der Exekutive

Bei entsprechendem Tatverdacht werden der erkennungsdienstlich behandelten Person mit Hilfe von sterilen Filzstäbchen zwei Mundhöhlenabstriche (MHA) von den Innenseiten der Wangen entnommen. Der Vorgang ist einfach und schmerzlos. Auf Wunsch können die Probanden selbst die Entnahme unter Aufsicht durchführen. Die MHA werden anonymisiert an das Österreichische DNA-Zentrallabor geschickt, die Personaldaten an das Bundesministerium für Inneres.

DNA-Typisierung im Österreichischen DNA-Zentrallabor

Die sterilen Filzstäbchen mit den Mundhöhlenabstrichen (MHA) werden im Österreichischen DNA-Zentrallabor am Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck untersucht und das DNA-Merkmalmuster des erkennungsdienstlich Behandelten festgestellt. Untersucht wird weniger als der ein millionste Teil der menschlichen Erbsubstanz und zwar in Abschnitten, die die Amerikaner als genetischen Müll bezeichnen („litter“), die also keinerlei Informationen über Erbkrankheiten oder sonstige spezielle Eigenschaften eines Menschen enthalten. Das Untersuchungsergebnis besteht aus einer Reihe von Zahlen, z.B. System D21S11 31,33; VWA 7,9 etc.  In gleicher Weise wird mit den Tatortspuren verfahren. Die Erbsubstanz ist zwar von Mensch zu Mensch verschieden, jedoch trägt jedes Körpermaterial derselben Person dasselbe DNA-Merkmalmuster. Ein Mundschleimhautabstrich (MHA) ergibt somit dasselbe Untersuchungsergebnis wie eine Blut- oder Spermaprobe (oder Spur!) derselben Person. Das ist der Grund dafür, dass eine Übereinstimmung der Merkmale z.B. einer Spermaspur und des Spurenverursachers anhand der MHA Untersuchung feststellbar ist.

Datenabgleich

Die erhobenen DNA-Merkmalmuster werden vom Österreichischen DNA-Zentrallabor über eine gesicherte Datenleitung an das Bundesministerium für Inneres überspielt. Dort werden die DNA-Daten mit den Personaldaten des erkennungsdienstlich Behandelten zusammengeführt und die Ergebnisse der MHA und der Spuren auf Übereinstimmung überprüft. Im Gegensatz zu früher können mit Hilfe der DNA-Datenbank viele Tatverdächtige von vorne herein sicher als Spurenverursacher ausgeschlossen werden. Übereinstimmungen (Treffer) werden überprüft und der Exekutive gemeldet.Einen Treffer in der DNA-Datenbank kann man mit der Auffindung eines Fingerabdruckes am Tatort vergleichen, der ein Indiz und ein Ansatz zu weiteren, jetzt aber gezielten Ermittlungen der Exekutive ist. Die DNA-haltige Spur kann jedoch bei Bedarf für gezielte Fragestellungen noch sehr viel umfangreicher untersucht werden, als dies routinemäßig geschieht. Auch kann man die statistische Häufigkeit der festgestellten Merkmale errechnen (z.B.: „Bei einem von einer Milliarde Menschen wäre eine zufällige Übereinstimmung zu erwarten“).

Datenschutz

Das Österreichische DNA-Zentrallabor erhält ausschließlich Mundschleim-hautabstriche (MHA) von erkennungsdienstlich behandelten Personen und Spuren, die mit Barcodes (vergleichbar mit den Verpackungen im Supermarkt) gekennzeichnet sind. Das Bundesministerium für Inneres erhält ausschließlich die Personaldatenbögen der erkennungsdienstlich Behandelten, die mit demselben Barcode gekennzeichnet sind. Nach der DNA-Typisierung werden dort die DNA-Merkmalmuster und die Personaldaten zusammengeführt. Das Bundesministerium für Inneres verfügt zu keiner Zeit über die DNA-haltigen Proben. Das Österreichische DNA-Zentrallabor verfügt zu keiner Zeit über die Personaldaten.

Schutz der Persönlichkeitsrechte

Das Österreichische DNA-Zentrallabor typisiert Mundschleimhautabstriche (MHA) und Spuren ausschließlich in den sogenannten nicht-codierenden Bereichen. Das bedeutet, dass grundsätzlich keinerlei Informationen über Krankheiten, Krankheitsdispositionen, Erbleiden, Infektionen etc. erhoben werden können. Ebenso wenig liefern die Untersuchungen Informationen über Persönlichkeitsmerkmale wie Aussehen, Intelligenz, sexuelle oder sonstige Neigungen, Gewohnheiten etc. Der Persönlichkeitsschutz ist bei den Untersuchungen für die Nationale Datenbank ohne die geringste Einschränkung gewährleistet.Schutz vor Verwechslung und falscher BeschuldigungDas Sicherheitskonzept besteht aus vier Ebenen.

1. Das Österreichische DNA-Zentrallabor arbeitet auf international anerkanntem höchstem Niveau. Das Laborkonzept wurde u.a. mit Beratung der Leiter der betreffenden Labors der US-Armee und des Deutschen Bundeskriminalamtes entwickelt.

2. Das Institut wurde als erste Einrichtung in der Forensik im deutschsprachigen Raum nach der ISO EN ÖNORM 17025 als Prüflabor akkreditiert. Die Einhaltung dieser Norm, ständige Qualitätskontrollen und ein extrem hoher Automatisierungsgrad gewährleisten den höchsten Qualitätsstandard.

3. Die Mundhöhlenabstriche (MHA) werden personell, räumlich, zeitlich und apparativ unabhängig von den Spuren untersucht, um eine Verwechselung grundsätzlich auszuschließen.

4. Im Fall einer Übereinstimmung des DNA-Merkmalmusters eines MHA und einer Spur wird der zweite MHA im Rahmen eines unabhängigen Kontrollschritts anonym untersucht. Das Ergebnis wird der Exekutive als Hinweis (!) auf die Spurenverursachung mitgeteilt. Nach Abschluß der Ermittlungen übergibt die Exekutive das Ergebnis der DNA-Analyse zusammen mit der Ermittlungsakte dem zuständigen Gericht.

5. Zweifelt der Beschuldigte oder Angeklagte das Ergebnis an, so können ein frisch entnommener MHA oder eine frisch entnommene Blutprobe sowie die Spuren im Gerichtsauftrag weiter bzw. erneut untersucht werden.

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