Erfolgreiche Identifikation von Pinochet-Opfern

Ein vierköpfiges ExpertInnen-Team der Gerichtsmedizin Innsbruck (GMI) konnte einen Großteil der Knochenteile und Zähne von mutmaßlichen Opfern der Militärdiktatur von Augusto Pinochet, die von chilenischen Behörden im Sommer übergebenen wurden, analysieren und einige sogar identifizieren.

"Von den 49 erhaltenen Knochenteilen und Zähnen konnten wir 47 analysieren und 13 unter-schiedlichen Personen zuordnen. Mit Hilfe von Referenzproben konnten vier Personen sogar identifiziert werden. Jetzt haben wir zusätzliche Referenzproben aus Chile erhalten, um eventuell weitere Identifikationen zu erreichen", berichtet Untersuchungsleiter Martin Steinlechner, Leiter der Forensischen Genetik und Spurensuche am GMI.

"Die Analysen sind wie damals bei der Identifikation der Tsunami-Opfer durchgeführt worden. Knochen- und Referenzproben wurden typisiert und über spezielle Abgleichungen, für die unser Institut spezialisiert ist, wurden familiäre Verbindungen überprüft", so Martin Steinlechner.

"Das Material war aufgrund des Säure- und Feuchtigkeitsgehalts in dem Erdgrab deutlich verändert und in einem schlechten Zustand. Unsere Mitarbeiter konnten die Analysen trotzdem in nur drei Monaten statt den vorgesehenen sechs Monaten abschließen", so Richard Scheithauer.

"Die Knochenteile wurden auf einem Militärgelände 20 Kilometer nördlich der chilenischen Hauptstadt Santiago gefunden. In den Gräbern waren keine vollständigen Skelette vorhanden, sondern nur unzusammenhängende Knochen und Knochenteile. Wir vermuten, dass es sich bei den Opfern um 30 Berater des ehemaligen Präsidenten Salvador Allende handelt, die nach dem Militärputsch 1973 verschwunden sind", sagt Udo Krenzer, leitender Anthropologe des Untersuchungsteams in Santiago, Chile. "Von rund 1300 Opfern der chilenischen Militärdiktatur fehlt immer noch jede Spur. Bei den Identifizierungsversuchen in Chile selbst sind in den vergangenen Jahren leider Fehler passiert. Die chilenischen Behörden sind daher jetzt bemüht, mit den international renommiertesten Labors zusammenzuarbeiten. Die Hinterbliebenen der mutmaßlichen Opfer wollen nach so langer Zeit natürlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Familienmitglieder. Deshalb haben sie der Untersuchung zugestimmt und im Voraus ihr DNA-Material abgegeben", so Udo Krenzer.

"In solchen Fällen ahnen wohl die meisten Betroffenen in ihrem Innersten, dass ihre Angehörigen tot sind. Aber es zeigt sich immer wieder, dass eine letztendliche Bestätigung enorm wichtig ist und dass dann ein Abschied von dem Toten leichter möglich ist. Die Angehörigen sind für eine Identifizierung jedenfalls sehr dankbar. Die chilenischen Behörden betrachten diese Arbeit als einen wichtigen menschenrechtlichen Beitrag", so Richard Scheithauer. Die Untersuchungen an den mutmaßlichen Pinochet-Opfern seien aus Sicht der chilenischen Behörden so erfolgreich durchgeführt worden, dass das GMI bereits Folgeaufträge erhalten haben. "Wir haben bereits wieder 60 Proben aus einem weiteren Massengrab und Proben von vier weiteren Fundstellen erhalten, die wir jetzt hier in Innsbruck analysieren" so Richard Scheithauer abschließend.

 

Rückfragen/Kontakt
Prof. Dr. Richard Scheithauer
Direktor Institut für Gerichtliche Medizin
Tel. +43 512 9003 70600
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