Flutopfer werden in Innsbruck identifiziert

Eines der europäischen Zentren des DNA-Profiling zu sein, diesem Ruf wird das Institut für Gerichtsmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck derzeit wieder gerecht: Die Innsbrucker Forscher spielen eine Schlüsselrolle bei der Identifizierung der bei der Flutkatastrophe in Südasien umgekommenen Europäer. Vorgestern sind in Innsbruck die ersten Proben zur Untersuchung eingetroffen.

Seit 1997 ist das österreichische DNA-Zentrallabor am Innsbrucker Institut für Gerichtsmedizin eingerichtet, und seit 2002 ist es als Prüflabor akkreditiert. Das Institut hat sich früh auf diesem Gebiet spezialisiert und sich auch international einen hervorragend Ruf erworben. Nicht zuletzt dank des sehr weit entwickelten Qualitätsmanagements sind die Innsbrucker Experten in hochrangigen internationalen Gremien sehr gefragt. Das Institut vertritt Österreich im European Network of Forensic Science Institutes, einer praxisorientierten Vereinigung von Polizeilaboren, und ist Mitglied der European DNA Profiling Group, die sich vor allem der Forschung auf dem Gebiet widmet. Diese beiden Vereinigungen sind hauptverantwortlich für die internationale Verbreitung und Harmonisierung der DNA-Analytik in der Forensik. Institutsvorstand Prof. Richard Scheithauer steht auch der Interpol DNA Monitoring Expert Group vor, die nicht nur die DNA-Unit der Interpol in Lyon berät, sondern unter 181 Staaten weltweit die genannten Ziele der Harmonisierung anstrebt.

Aufwändige Arbeit steht bevor

Dieser gute Ruf brachte dem Labor nun auch die Aufgabe ein, die Hauptarbeit bei der Identifizierung der europäischen Flutopfer durchzuführen. In den nächsten Wochen werden in Innsbruck Proben aus dem Katastrophengebiet in Sri Lanka analysiert und mit der DNA von Angehörigen verglichen. Mit einem Team von 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wird Prof. Walther Parson diese verantwortungsvolle Aufgabe aufnehmen. „Von unseren Analysenkapazitäten sind wir zwar auf Unglücke wie etwa einen Flugzeugabsturz eingestellt, mit einer solchen Katastrophe konnte man aber nicht rechnen,“ so Parson, dessen Team aber bereits seit Tagen mit voller Kraft an den Vorbereitungen für die Untersuchungen arbeitet. Walther Parson ist Sachverständiger im Scientific Advisory Board der International Commission on Missing Persons (ICMP), einer Institution die 1996 anlässlich der G7-Konferenz in Lyon für die Identifikation der Opfer der Kriege in Ex-Jugoslawien ins Leben gerufen wurde. Weiters war er als Berater des amerikanischen Justizministeriums (NIJ) im Rahmen der Untersuchungen nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York tätig. Diese Erfahrungen kann er nun für die Vorbereitung der Analysen nutzen.

Langwieriges Verfahren notwendig

In Innsbruck werden alle Proben, die in Sri Lanka sichergestellt wurden, einer DNA-Analyse unterzogen. Dabei werden sie zunächst anhand von 16 Short Tandem Repeats (STR)-Markern typisiert und mit dem Material von möglichen Angehörigen verglichen. Diese Typisierung ist wesentlich umfangreicher, als in der kriminalistischen Routine. „Der Zustand der Proben wird wahrscheinlich auch ein kompliziertes Analyseverfahren notwendig machen, da die meisten Leichen länger im Wasser gelegen sind und die Verwesung aufgrund der klimatischen Bedingungen schnell voranschreitet“, erläutert Prof. Parson. Bei starker Verwesung degradiert die DNA, weshalb manche Proben nur in aufwendigen Verfahren, möglicherweise aber auch nicht mehr erfolgreich untersucht werden können. Von DNA-Proben guter bis mittelmäßiger Qualität werden in wenigen Tagen Ergebnisse vorliegen.

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