Reinhold Messner entlastet

Im Beisein zahlreicher Medienvertreter wurden gestern die Ergebnisse der Untersuchung des Knochenfunds vom Nanga Parbat präsentiert. Mit einer aufwändigen DNA-Analyse sollte gezeigt werden, dass das Fundobjekt von Messners 1970 verunglücktem Bruder Günther stammt. Um die Ereignisse am berühmten Himalaja-Gipfel rankten sich bisher zahllose Mythen, die nun offensichtlich ein Ende finden.

Das Büro von Prof. Richard Scheithauer quoll gestern nachmittag über, als der Vorstand des Instituts für Gerichtliche Medizin gemeinsam mit seinen Kollegen die Ergebnisse der Untersuchung eines Knochens präsentierten, der vor vier Jahren am Fuß der Diamir-Wand am Nanga Parbat gefunden wurde. Medienvertreter aus dem In- und Ausland waren gekommen, um das wissenschaftliche Urteil über den Knochenfund zu hören. "Eine erste DNA-Analyse im Jänner 2004 und eine weitere Analyse der mitochondrialen DNA im April 2004 lassen keine vernünftigen Zweifel daran, dass der untersuchte Knochen von einem Bruder von Reinhold und Hubert Messner stammen", so Prof. Scheithauer. Reinhold Messner, der den Auftrag zur Untersuchung des Knochens erteilt hatte, dankte dem Innsbrucker Team für Durchführung dieser verantwortungsvollen Aufgabe und zeigte sich erleichtert, dass nun alle Zweifel über die Richtigkeit seiner Darstellung der tragischen Ereignisse während Expedition im Jahr 1970 beseitigt seien. "Das bestätigt, dass ich meinen Bruder Günther damals nicht im Stich gelassen habe", so Messner.

Aufwändige Analysen bezeugen die Herkunft des Knochens

Ausgangsbasis war nach einer ersten morphologischen Untersuchung durch Prof. Walter Rabl ein stark verwittertes, nicht mehr intaktes, rechtes Wadenbein eines Menschen. Der Knochen war sehr leicht, was auf eine längere Liegezeit hindeutete und wies Sprünge auf. In den Speziallaboranalysen wurden in Untersuchungen der Kern-DNA feststellt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Knochen von einem Bruder von Reinhold und Hubert Messner stammt, 651 mal größer ist, als dass er von einer unbekannten Person stammt. Prof. Walther Parson wies darauf hin, dass ein direkter Vergleich nicht möglich war. So konnte die DNA nur über die Verwandtschaft, also über den Vergleich mit den Brüdern Reinhold und Hubert, untersucht werden. In einer weiteren, sehr aufwändigen Untersuchung der mitochondrialen DNA (mtDNA) wurde festgestellt, dass die sehr seltenen, individuellen Merkmale des Knochens mit jenen der Brüder Messner übereinstimmen. Die Besonderheit der mtDNA ist, dass sie unverändert von der Mutter auf die Kinder vererbt wird. Alle Kinder einer Mutter verfügen daher über exakt dieselben Eigenschaften, nämlich dieselbe Abfolge der kleinsten Bausteine des Lebens. In diesem Fall wurden mehrere seltene Merkmale übereinstimmend am Knochen und an den Vergleichsproben der noch lebenden Brüder Messner gefunden. Diese Merkmale fanden sich weder in der weltweit größten mitochondrialen Datenbank, noch in der größten europäischen mitochondrialen Datenbank, die wesentlich mehr Daten von Europäern enthält. Das Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck hat einen wesentlichen Forschungsschwerpunkt auf diesem Gebiet und führt die zuletzt erwähnte Datenbank im Auftrag der europäischen Forschungsgruppe. Am Institut für Gerichtliche Medizin werden naturwissenschaftliche und medizinische Methoden zur Aufklärung von über 90 % der DNA-Analysen im österreichischen Straf- und Zivilrecht angewendet.

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