Genugtuung für Reinhold Messner

Genugtuung für Reinhold Messner

Großer Medienrummel herrschte am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität als am Freitag die Ergebnisse der DNA-Analyse der Knochenproben vom Nanga Parbat präsentiert wurden. Medienvertreter aus dem ganzen deutschsprachigen Raum waren nach Innsbruck gekommen, um den wissenschaftlichen Nachweis zu hören, dass die Knochen tatsächlich vom Bruder des Extrembergsteigers Reinhold Messner stammen.

Seit einigen Jahren gehen die Wogen hoch, wenn über jene Ereignisse im Juni 1970 diskutiert wird, als Reinhold Messner gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Günther den Nanga Parbat nicht nur erstmals über die gefürchtete Rupal-Wand bestieg, sondern auch eine Überschreitung über die Diamir-Flanke schaffte. Günther Messner kam dabei ums Leben und Bruder Reinhold überlebte nur knapp. Bis vor kurzem blieb der Körper des damals Verunglückten verschollen. Nach einem Knochenfund im Jahr 2000, der bei einer Analyse 2004 im Innsbrucker Institut für Gerichtliche Medizin mit großer Wahrscheinlichkeit Günther Messner zugeordnet werden konnte, gab der Gletscher am Fuß der Diamir-Wand in diesem Jahr auch die Leiche des damals Verunglückten frei. Reinhold Messner brachte erneut Gewebeproben mit nach Innsbruck, um den endgültigen Beweis für die genaueren Umstände des Todes seines Bruders zu liefern.

Klare Beweise

Am Institut für Gerichtliche Medizin wurde nun ein Zehenknochen des Verstorbenen untersucht und die DNA mit jener der Familie Messner verglichen. Die Forscher um Direktor Prof. Richard Scheithauer und Prof. Walther Parson nutzten dazu drei Methoden. Erstens wurde die mitochondriale DNA untersucht und der Halpogruppe U3 zugeordnet, die nur in Europa vorkommt. Damit ist der Beweis erbracht, dass die Leiche von einem Europäer stammen muss. Außerdem konnte eine Übereinstimmung von sehr seltenen, „familiären“ Eigenschaften mit jenen bei den lebenden Brüdern Reinhold und Hubert nachgewiesen werden. Die Untersuchung der Y-chromosomalen DNA ergab ebenfalls eine Übereinstimmung mit den lebenden Brüdern. Auch hier konnten in internationalen Datenbanken keine vergleichbaren Daten gefunden werden. Die Analyse der autosomalen DNA des Zehenknochens ergab dann eine Wahrscheinlichkeit von 17,8 Millionen, dass der Knochen von einem Bruder von Reinhold und Hubert Messner stammt. Für Richard Scheithauer und Walther Parson gibt es daher keinen begründeten Zweifel daran, dass der Knochen von Günther Messner stammen muss.

Messner dankt den Gerichtsmedizinern

„Ich bin natürlich froh über dieses Ergebnis“, betonte Reinhold Messner am Freitag vor der versammelten Presse an der Medizinischen Universität Innsbruck. „Ich hätte das persönlich aber nicht gebraucht, denn ich wusste ja was passiert war.“ Er hoffe nach diesem klaren Beweis auf ein Ende der jüngsten Diskussionen um seine Rolle beim Unglück seines Bruders. Von verschiedener Seite war ihm übertriebener Ehrgeiz bei jener Expedition am Nanga Parbat vorgeworfen worden. Diesem Ehrgeiz habe er auch das Leben seines Bruders geopfert. Durch die nun veröffentlichten Ergebnisse fühlt sich Reinhold Messner rehabiliert. Seine Version, den Bruder beim Abstieg von der Diamir-Flanke durch ein Unglück verloren zu haben, scheint dadurch bestätigt. Messner zeigte sich deshalb auch dankbar für die Unterstützung durch die Innsbrucker Gerichtsmediziner: „Ich muss froh sein, dass es heute die Möglichkeit der DNA-Analyse gibt.“ Nun will Messner gemeinsam mit dem bayerischen Regisseur Joseph Vilsmaier die Ereignisse am Nanga Parbat als Doku-Drama verfilmen.

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