DNA-Analyse versetzt Babenberger-Forschung in Unruhe

DNA-Analyse versetzt Babenberger-Forschung in Unruhe

Am Institut für Gerichtliche Medizin Innsbruck konnten erfolgreiche DNA-Untersuchungen an jenen Gebeinen durchgeführt werden, die dem Babenberger Markgrafen Leopold III., seiner zweiten Frau Agnes von Waiblingen und seinem erstgeborenen Sohn Adalbert zugeordnet sind. Trotz widersprüchlicher Quellenlage galt Adalbert bislang als Sohn aus einer früheren Ehe, was Auswirkungen auf die Nachfolge Leopolds hatte. Umso überraschender sind nun die DNA-Ergebnisse, die eindeutig belegen, dass Agnes die leibliche Mutter von Adalbert war, eine korrekte Zuordnung der Proben vorausgesetzt.

Leopold III. (*um 1075 +1136) wurde 1485 heilig gesprochen und ist seit 1663 Landespatron von Niederösterreich. Seine Heirat mit der Kaisertochter Agnes von Waiblingen (1106) - mit letzterer soll er 17 Kinder gehabt haben - trug wesentlich zum politischen Aufschwung der Babenberger bei. Obwohl die Quellenlage nicht eindeutig ist, galt Leopolds erstgeborener Sohn, Markgraf Adalbert „der Andächtige“ (*c.1098 +1138) bislang nicht als leiblicher Sohn von Agnes. Nach Leopolds Tod wurde dieser in der Nachfolge zugunsten eines anderen Sohns aus der Ehe mit Agnes übergangen.

Befunde der historischen und archäologischen Untersuchungen

Leopold wurde 1136 in der Mitte eines dreikammerigen Steinkistengrabs im einstigen Kapitelsaal des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg beerdigt. Die nördliche Kammer wurde Adalbert (+1138) zugewiesen, in der südlichen Kammer wurde Agnes (+1143) beigesetzt. Anläßlich des Umbaus des Kapitelsaals Mitte des 13. Jhdts. wurden die Gebeine mehrerer Babenberger nach Heiligenkreuz verlegt, darunter auch jene Adalberts und eines weiteren Sohns Leopolds, Markgraf Ernst (+1137). Bei der Öffnung des Doppelgrabs von Adalbert und Ernst im Jahre 1739 wurden aber nur die Gebeine einer Person gefunden, sie waren in einer Transportkiste. Ebenso wurden im Zuge von archäologischen Untersuchungen 1979 Gebeine in Adalberts Grabkammer in Klosterneuburg in einer Transportkiste aufgefunden. Offenbar wurden die Skelette beider Babenberger Markgrafen für den Transport hergerichtet, vielleicht auch überführt, aber nur einer der beiden in Heiligenkreuz bestattet.

Die Biologin Mag.a Christiane Maria Bauer bei der Analyse alter DNA.

Leopolds Gebeine wurden 1936 zum letzten Mal umgebettet und bei dieser Gelegenheit Skeletteile entnommen, die als Reliquien für die Vergabe an Kirchen dienen. Bei einer erneuten Öffnung 2011 zu diesem Zweck wurde auch eine kleine Probe aus dem Oberschenkelknochen für eine DNA-Analyse entnommen wurde. Die Knochenproben, die Adalbert und Agnes zugeordnet werden, stammen aus den Grablegen des früheren Kapitelsaals in Klosterneuburg.

Befunde der DNA-Untersuchungen

Zur Klärung der verwandtschaftlichen Verhältnisse gab das Chorherrenstift Klosterneuburg eine DNA-Untersuchung in Auftrag. Die Proben sind mit einem Alter von 800 Jahren eine anspruchsvolle Herausforderung für die forensische DNA-Analytik. Nach dem Tod unterliegt jedes Gewebe dem biologischen Zerfall, der mit fortschreitender Dauer zur Reduktion, oft zum Verlust der DNA führt. Daher ist es technisch aufwendig, DNA aus alten Knochenproben in ausreichender Menge und Qualität für eine Verwandtschaftsanalyse zu gewinnen. Am Institut für Gerichtliche Medizin Innsbruck laufen derzeit im Rahmen eines geförderten Projekts des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) Forschungsarbeiten zur Analytik von alter DNA (ancient DNA), was der Analyse der Proben im vorliegenden Fall zugute kam. Trotz des hohen Alters der Gebeine konnten durch Anwendung neuester Technologien verwertbare DNA-Ergebnisse erzielt werden, darunter die in der Forensik gebräuchlichen DNA-Marker der autosomalen, Y-chromosomalen und mitochondrialen DNA. Die umfangreichen DNA-Daten lassen keinen vernünftigen Zweifel daran, dass die Proben, die Leopold, Agnes und Adalbert zugeordnet wurden, zu Eltern und deren leiblichen Sohn gehören.

Femurprobe Leopold III Femurprobe Agnes von Waiblingen Femurprobe Adalbert

Weitere Forschung

Die Quellenlage und die archäologische Forschung lassen keine eindeutige Zuordnung der Gebeine der Markgrafen Adalbert und Ernst zu. Die Aufbewahrung in Transportkisten legt die Vermutung nahe, dass die Überführung nach Heiligenkreuz stattgefunden hatte, zumindest geplant war. Der überraschende DNA-Befund bewirkt nun, daß die Zuordnung der Skelette der beiden (Halb)-Brüder überdacht wird. Mögliche Klärung kann eine weitere DNA-Untersuchung der Gebeine aus Heiligenkreuz bringen.

Rückfragen/Kontakt

A. Univ.-Prof. Dr. Walther Parson
Leiter Forensische Molekularbiologie
Institut für Gerichtliche Medizin
Tel. +43 512 9003 70640
Email: walther.parson@empop.online