Theodor-Körner-Preis an jungen Forscher an der Innsbrucker Gerichtsmedizin

Theodor-Körner-Preis an jungen Forscher an der Innsbrucker Gerichtsmedizin

Die Ausbreitung des Menschen von Afrika über die gesamte Erde ist eines der spannendsten Forschungsfelder in der Genetik. Einer Forschergruppe am Institut für Gerichtliche Medizin gelang es, einen international beachteten Beitrag zur Besiedlungsgeschichte von Südamerika zu veröffentlichen.

Auf genetischer Spurensuche in Südamerika

Die Rekonstruktion der Ausbreitung des Menschen über die Erde ist eines der faszinierendsten Forschungsgebiete der Genetik, beschäftigt sie sich doch mit Fragen, die uns alle bewegen: woher kommen wir und seit wann sind wir da? Einsichten können aus der Untersuchung linear vererbter DNA-Abschnitte gewonnen werden, wie der mitochondrialen DNA (mtDNA), die als „zweites Genom“ des Menschen rein mütterlich weitergegeben wird. Aus dem Vergleich der mtDNA-Sequenz möglichst vieler Individuen aus unterschiedlichen Populationen und Regionen kann die Entwicklung und Ausbreitung der Erblinien (Haplogruppen), damit ihrer TrägerInnen, über zehntausende Jahre nachvollzogen werden. Die Entstehung des Menschen in Afrika, seine Wanderungsbewegungen nach Europa, Asien und Amerika sind eindrucksvolle, heute allgemein anerkannte Erkenntnisse und zeigen, wie mtDNA-Analysen ein „Fenster zur Vergangenheit“ öffnen und zur Aufklärung der Geschichte des modernen Menschen beitragen können. Über den genaueren Ablauf der ersten Besiedlung Amerikas, besonders Südamerikas, gibt es aber noch keinen Konsens. Hier konnte Martin Bodner, PhD, mit dem Team der Innsbrucker Gerichtsmedizin und internationalen KooperationspartnerInnen genetische Spuren einer sehr frühen Besiedlung im äußersten Süden des Kontinents aufdecken. Die international beachtete, in der renommierten Fachzeitschrift Genome Research veröffentlichte Studie ist Grundlage für weitere Forschungen zu spezifischen Fragestellungen der spannenden Geschichte der indigenen Urbevölkerung Südamerikas vor und nach der europäischen Kolonialisierung. Die Ergebnisse sind zudem für forensisch- und medizinisch-genetische Anwendungen von unmittelbarer Bedeutung, da sie einerseits die Vielfalt und Häufigkeit der mitochondrialen Erblinien fassbar machen und andererseits natürlich auftretende Mutationen von solchen mit Krankheitswert unterscheiden lassen. Für dieses Vorhaben wurde Martin Bodner, PhD, nun als einer von nur vier PreisträgerInnen mit einer Förderung des Theodor-Körner-Fonds im Bereich Medizin, Naturwissenschaften und Technik bedacht.

60 Jahre Theodor-Körner-Fonds

Der Theodor-Körner-Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst wurde im Jahr 1953 anlässlich des 80. Geburtstags des damaligen Bundespräsidenten Theodor Körner - der auf alle persönlichen Geschenke verzichtete - von seinen Mitarbeitern initiiert und wird vor allem von der Bundesarbeiterkammer unterstützt. Jährlich werden Förderungen für ausgewählte Arbeiten aus den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften und Technik, Geistes- und Kulturwissenschaften, Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie für künstlerische Leistungen an junge WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen vergeben, die bereits erste herausragende Arbeiten für ihr Fach vorgelegt haben und von denen weitere wichtige Beiträge zu erwarten sind. Die Preise sollen als Starthilfe zur Durchführung und Fertigstellung wissenschaftlicher bzw. künstlerischer Arbeiten ermutigen. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Festredner Nationalbank-Gouverneur Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, beide selbst einst Preisträger, gratulierten den 36 Ausgezeichneten ebenso wie Kuratoriumspräsident Mag. Herbert Tumpel und Beiratsvorsitzender Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb und wünschten viel Erfolg und Freude auf dem oft steinigen weiteren wissenschaftlichen oder künstlerischen Weg.

Der Preisträger

Mag. Martin Bodner, PhD, studierte in Innsbruck und Wien Molekularbiologie und Genetik und promovierte an der Medizinischen Universität Innsbruck, wo er als Projektmitarbeiter mit den Forschungsschwerpunkten mitochondriale Phylo- und Populationsgenetik in der Forensischen Molekularbiologie am Institut für Gerichtliche Medizin tätig ist. Im Jahr 2012 bekam er den Best Student Paper Award der Universität Innsbruck verliehen.

Die Innsbrucker Gerichtsmedizin verbindet Forensik mit Populationsgenetik

In der Bearbeitung populationsgenetischer Fragestellungen mithilfe der mitochondrialen DNA liegt ein Hauptfokus der Forschung an der Forensischen Molekularbiologie (Leiter: ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Walther Parson) am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität (Direktor: o.Univ.-Prof. Dr. Richard Scheithauer). Die Innsbrucker Gerichtsmedizin hat die international gültigen Qualitätsstandards in der forensischen Analyse mitochondrialer DNA hauptverantwortlich mitentwickelt und betreibt die weltweit führende forensische mtDNA-Sequenzdatenbank EMPOP. Das Institut deckt das gesamte in Mitteleuropa übliche Spektrum der Gerichtlichen Medizin in Forschung, Lehre und Praxis ab. 1990 wurde die Forensische DNA-Abteilung als eine der ersten im deutschsprachigen Raum eingerichtet. In den Folgejahren entwickelte sich dieser Bereich zu einem der wissenschaftlichen Schwerpunkte des Instituts, an dem auch das Österreichische DNA-Zentrallabor untergebracht und das als einziges österreichisches Institut in den entscheidenden internationalen Gremien vertreten ist. Die Innsbrucker Gerichtsmedizin ist das erste Institut im deutschen Sprachraum in der Forensik, das nach der internationalen Norm ISO EN ÖNORM 17025 akkreditiert ist und die damit verbundene Bezeichnung Prüflabor tragen darf. Das Institut ist wissenschaftlich in stark zukunftsorientierten Bereichen prominent vertreten.