Mitochondriale DNA Analyse; Neue Richtlinien der ISFG zur molekulargenetischen Gerichtsmedizins

Mitochondriale DNA Analyse; Neue Richtlinien der ISFG zur molekulargenetischen Gerichtsmedizins

Die neuen Richtlinien zur Analyse der mitochondrialen DNA (mtDNA) wurden unter der Leitung von Walther Parson erarbeitet und im Herbst 2014 publiziert. Der Vorstand der internationalen Gesellschaft für forensische Genetik (ISFG) hatte international renommierte WissenschaftlerInnen beauftragt, die Empfehlungen zur Forschung und Anwendung molekulargenetischer Methoden in der Gerichtsmedizin zu aktualisieren. Walther Parson wurde die federführende Rolle aufgrund seiner umfangreichen Forschungsarbeiten zur mitochondrialen DNA Analyse zugedacht, speziell dem Aufbau und der Betreuung der international beachteten mtDNA Datenbank EMPOP, die weltweit für die statistische Bewertung von mtDNA Daten herangezogen wird.

Die mtDNA befindet sich in den Mitochondrien der Zelle. Ihre Analyse ist die derzeit sensitivste Nachweismethode, die in der forensischen Genetik bekannt ist. Sie findet bei der Untersuchung von besonders schwierigen Proben Anwendung. Dazu gehören Minimalspuren von Tatorten (z.B. Haarschäfte) und Proben, die sehr alt sind oder durch äußere Faktoren in Mitleidenschaft gezogen wurden (z.B. Knochenproben, die durch Verbrennung, Einwirkung von Feuchtigkeit, UV-Licht, Chemikalien beschädigt wurden).

Am Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck wurde die Analyse der mtDNA optimiert, um schwierige Proben erfolgreich zu untersuchen. Die mtDNA Methodik ist generell komplex und aufgrund der hohen Empfindlichkeit anfällig für Verunreinigung (Kontamination) und Fehltypisierung. Das Institut hat dieser Problematik Rechnung getragen: Mit EMPOP wurde nicht nur die Datenbank zur statistischen Beurteilung von mtDNA Ergebnissen, sondern auch eine leistungsfähige Software Suite entwickelt, mit deren Hilfe die Qualität von mtDNA Ergebnissen im Nachhinein überprüft werden kann.

EMPOP wird von den führenden genetischen Journalen im Fach laufend mit der Aufgabe betraut, wissenschaftliche mtDNA Daten qualitativ zu prüfen, ehe sie zur Publikation vorgelegt werden können. Diese Qualitätskontrolle erstreckt sich mittlerweile auch auf mtDNA Daten, die im Zuge der Verbrechensbekämpfung und der Identifikation von Personen (Opfer von Naturkatastrophen, Unfällen, Anschlägen und Kriegen) erstellt wurden. Internationale Polizeilabore und Universitätsinstitute wenden sich dabei an EMPOP, um die Qualität ihrer untersuchten mtDNA Daten überprüfen zu lassen.

ISFG: Recommendations of the DNA Commission