DNA-Analysen in Tirol klären Identität von zwei Zarenkindern

Das Gerichtsmedizinische Institut in Innsbruck konnte die Identität der im August 2007 in Jekaterinburg (Russland) gefundenen Gebeinsreste klären. "Die Ergebnisse unserer DNA-Analysen beweisen, dass die im vergangenen Jahr gefundenen Gebeine den beiden bislang vermissten Zarenkindern zuzuordnen sind. Es handelt sich um Gebeine des Kronprinzen Alexei und seiner Schwester Maria", erklärt a. Univ. Prof. Dr. Walter Rabl, stellvertretender Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin an der Medizinischen Universität in Innsbruck.

Neben dem Innsbrucker Team hat in den vergangenen Monaten ein zweites Labor, das Institut der US-Armee in Maryland in den USA, an den Analysen gearbeitet. Nach Beendigung der Arbeiten in Tirol wurden die Daten aus Amerika und Österreich nach England an ein drittes Institut geschickt, das der russischen Generalstaatsanwaltschaft nunmehr die Ergebnisse übermittelt hat. "Somit ist für die russischen Behörden ein größtmögliches Maß an Neutralität und Sicherheit gegeben", sagt Dr. Walter Rabl.

"Es war notwendig, diese Funde mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Bereits kleine Fehlerwahrscheinlichkeiten bei der Identifikation des Zaren, seiner Gattin und der Kinder würden nicht nur in Russland zu großen Zweifeln und Streit führen. Deshalb sind wir besonders stolz, dass unser Institut mit einer so sensiblen Untersuchung betraut wurde", so Dr. Walter Rabl.

"Dieser Fall war eine große Herausforderung, da nur sehr kleine Knochenstücke übermittelt wurden, von denen manche sogar noch Brandspuren aufwiesen", berichtet Molekularbiologe Dr. Walther Parson. "Trotzdem gelang es uns, alle notwendigen DNA-Abschnitte erfolgreich zu untersuchen, um nun Gewissheit zu haben. Einige wenige DNA-Marker waren von den Romanows ja bereits bekannt. Wir haben alle Proben, auch jene der früheren Untersuchungen auf den neuesten Stand der Wissenschaft gebracht und nun umfangreiche genetische Information gesammelt, die jeden Zweifel beseitigen", so Dr. Walther Parson. Die Laborarbeiten wurden von zwei russischen Wissenschafterinnen des gerichtsmedizinischen Instituts in Sverdlovsk beobachtet, die den Besuch am Innsbrucker Institut zur eigenen Fortbildung nutzten.

"Erste Knochenreste aus dem Grab der beiden mutmaßlichen Zarenkinder haben wir Ende April erhalten. Die russischen Wissenschafterinnen haben später noch weiteres Knochenmaterial aus dem ersten, also dem Romanowgrab gebracht. Die Analysen der mitochondrialen, der autosomalen und der Y-chromosomalen DNA haben nur vier Wochen in Anspruch genommen. Das ist Rekord, vor allem wenn man die geringe Probenmenge und den qualitativ schlechten Zustand der Knochenzellen betrachtet", so Dr. Walther Parson.

Die siebenköpfige Zarenfamilie und vier Bedienstete wurden im Juli 1918 in Jekaterinburg in Sibirien von einem Exekutionskommando getötet. 1991 wurden die sterblichen Überreste der Familie des als Nikolaj Alexandrowitsch Romanow geborenen Zaren in einem Grab bei Jekaterinburg gefunden. Zwei der fünf Kinder haben allerdings gefehlt. Deren Überreste wurden im vergangenen Jahr in der Nähe in einem anderen Grab gefunden. Das Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck konnte nun deren Identität zweifelsfrei klären.

Rückfragen/Kontakt
Dr. Walther Parson
Leiter Forensische Molekularbiologie
Institut für Gerichtliche Medizin
Tel. +43 512 9003 70600
Email: walther.parson@i-med.ac.at

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